Braucht man wirklich einen Hausnotruf?
Was ein Hausnotruf für Sicherheit, Selbstständigkeit und das Leben zu Hause wirklich bringt.
Niemand steht morgens auf und denkt:
„Heute möchte ich mir einen Hausnotruf anschaffen.“
Menschen möchten etwas ganz anderes. Sie möchten in ihrer vertrauten Wohnung leben, ihren Alltag selbst bestimmen und möglichst lange unabhängig bleiben.
Genau daran sollte man den Nutzen eines Hausnotrufs messen.
Nicht daran, wie viele Funktionen ein Gerät besitzt.
Sondern an einer viel wichtigeren Frage:
Was verändert ein Hausnotruf in meinem täglichen Leben?
Rund 90'000 Sturzverletzungen pro Jahr
Stürze gehören zu den grössten Unfallrisiken im Alter.
Nach Angaben der Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU verletzen sich in der Schweiz jedes Jahr rund 90'000 Menschen ab 65 Jahren bei einem Sturz. Mehr als 1'600 ältere Menschen sterben jährlich an den Folgen eines Sturzunfalls.
Doch diese Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Denn manchmal ist nicht der Sturz selbst das grösste Problem.
Sondern dass niemand davon weiss.
Was passiert, wenn niemand da ist?
Eine ältere Person steht nachts auf und stürzt auf dem Weg ins Badezimmer.
Vielleicht ist nichts gebrochen. Sie ist bei Bewusstsein – kann aber nicht mehr alleine aufstehen.
Das Telefon liegt im Wohnzimmer.
Die Tochter kommt erst am nächsten Tag vorbei.
Der Nachbar weiss von nichts.
Jetzt wird Zeit zum entscheidenden Faktor.
Genau an diesem Punkt kann ein Hausnotruf die Situation verändern.
Aus:
„Hoffentlich merkt jemand, dass ich Hilfe brauche.“
wird:
„Ich kann selbst dafür sorgen, dass jemand davon erfährt.“
Ein Hausnotruf verhindert keinen einzigen Sturz
Das klingt zunächst ungewöhnlich für einen Artikel über Hausnotruf.
Aber es ist wichtig, ehrlich zu bleiben.
Ein Hausnotruf verhindert keinen Sturz, keinen Schwächeanfall und keine Erkrankung.
Was er verändern kann, ist das Danach.
Mit einem Notrufknopf am Handgelenk oder als Anhänger kann die betroffene Person selbst einen Alarm auslösen.
Je nach gewählter Lösung wird eine professionelle Notrufzentrale oder eine festgelegte Kontaktperson verständigt.
Kein Telefon suchen. Keine Telefonnummer wählen.
Ein Knopfdruck genügt, um Hilfe anzufordern.
Was bringt ein Hausnotruf wirklich?
Eigentlich kauft man kein Gerät.
Man gewinnt etwas anderes:
- Zeit: Ein Notfall kann schneller bekannt werden.
- Handlungsfähigkeit: Man kann selbst Hilfe anfordern.
- Sicherheit: Es gibt einen zusätzlichen Weg, jemanden zu erreichen.
- Selbstständigkeit: Man kann den eigenen Alltag mit zusätzlicher Absicherung weiterführen.
Das Notrufsystem soll dabei möglichst wenig vom Alltag zu spüren sein.
Es soll nicht daran erinnern, was alles passieren könnte. Es soll Sicherheit geben, damit man sein Leben weiterführen kann.
Bleibt man mit Hausnotruf tatsächlich länger zu Hause?
Mit dieser Aussage wird häufig geworben. Teilweise werden sogar konkrete Zahlen genannt, wie viele Jahre Menschen mit einem Hausnotruf länger zu Hause leben.
So einfach ist es wissenschaftlich jedoch nicht.
Ob jemand weiterhin selbstständig zu Hause wohnen kann, hängt von Gesundheit, Mobilität, Wohnsituation sowie der Unterstützung durch Angehörige oder Spitex ab.
Ein Hausnotruf kann deshalb nicht seriös versprechen:
„Damit bleiben Sie drei Jahre länger zu Hause.“
Was sich aber sagen lässt:
Stürze können zu Spital- und Rehabilitationsaufenthalten, Pflegebedürftigkeit und einem früheren Eintritt in eine Pflegeeinrichtung beitragen.
Ein Hausnotruf verhindert einen Sturz nicht.
Aber er kann dazu beitragen, dass nach einem Ereignis schneller reagiert werden kann.
Damit kann er ein wichtiger Baustein sein, um das selbstständige Leben zu Hause möglichst lange zu unterstützen.
Auch Angehörige gewinnen Sicherheit
Da ist noch jemand, über den bei Hausnotrufsystemen erstaunlich wenig gesprochen wird:
die Familie.
Viele Töchter, Söhne und Partner kennen Gedanken wie:
„Warum nimmt Mama nicht ab?“
„Was ist, wenn Papa nachts stürzt?“
„Muss ich heute nochmals anrufen?“
Ein Hausnotruf nimmt Angehörigen nicht jede Sorge ab.
Aber er schafft eine zusätzliche Sicherheitslinie.
Und das kann für beide Seiten mehr Freiheit bedeuten.
Der ältere Mensch muss nicht ständig kontrolliert werden.
Und die Angehörigen müssen nicht ständig kontrollieren.
„Dafür bin ich noch viel zu fit“
Vielleicht.
Und hoffentlich bleibt das noch lange so.
Aber die entscheidende Frage ist nicht:
„Bin ich alt genug für einen Hausnotruf?“
Sondern:
„Was würde passieren, wenn ich heute alleine zu Hause Hilfe bräuchte?“
Wenn die Antwort lautet: „Ich nehme mein Telefon und rufe jemanden an“, folgt eine zweite Frage:
„Und wenn ich das Telefon nicht erreichen kann?“
Genau dort beginnt der Nutzen eines Hausnotrufs.
Sicherheit, die den Alltag nicht bestimmt
Ein gutes Hausnotrufsystem sollte den Alltag nicht bestimmen.
Man steht morgens auf. Man trinkt seinen Kaffee. Man liest die Zeitung. Man erledigt seinen Haushalt. Man geht auf den Balkon oder in den Garten.
Man lebt sein Leben.
Das Notrufsystem bleibt im Hintergrund – bis zu dem Moment, in dem es vielleicht einmal gebraucht wird.
Fazit: Es geht nicht um das Notrufsystem
Nicht jeder Mensch braucht heute einen Hausnotruf.
Aber wer alleine lebt, bereits gestürzt ist, sich unsicherer fühlt oder Angehörige hat, die sich zunehmend Sorgen machen, sollte sich eine einfache Frage stellen:
Würde mir die Möglichkeit, jederzeit selbst Hilfe anzufordern, mehr Freiheit geben – oder weniger?
Denn ein Hausnotruf muss kein Zeichen dafür sein, dass Selbstständigkeit verloren geht.
Er kann eine Entscheidung dafür sein, sie möglichst lange zu behalten.
Am Ende geht es nicht darum, ein Notrufsystem zu besitzen.
Es geht darum, morgens aufzustehen und sein eigenes Leben weiterzuführen.
In der eigenen Wohnung.
Mit den eigenen Gewohnheiten.
Mit möglichst viel Selbstständigkeit.
Und mit dem Wissen:
Wenn ich wirklich Hilfe brauche, muss ich nicht darauf hoffen, dass es zufällig jemand bemerkt.
Denn das eigentliche Ziel eines Hausnotrufs ist nicht der Notruf.
Das Ziel ist, das eigene Leben möglichst lange selbstbestimmt und sicher zu Hause weiterzuführen.
Quelle: Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU.
Weiterführende Informationen
- Hausnotruf, mobile Notrufuhr oder mobiler Notrufknopf – was passt besser?
- Was ist Sturzerkennung – und wie zuverlässig ist sie wirklich?
- GPS-Ortung bei mobilen Notrufsystemen: Wie wird man im Notfall gefunden?
- Notrufzentrale oder Privatpersonen: Wer hilft im Ernstfall?
- Die 7 häufigsten Irrtümer über Hausnotrufsysteme
- Mobilfunkempfang in geschlossenen Räumen












